Wieder heller – die Stadtkirche St. Peter und Paul

Nach über 35 Jahren, seit der großen renovierung im Jahre 1980, hinterlassen Partikel von Kerzenruß und Staub, welche durch Verwirbelung und Thermik sich im Kirchenraum verteilen, ihre Spuren an den Wänden unserer Stadt- kirche St. Peter und Paul.

Ein dunkler Grauschleier lag noch bis Anfang des Jahres auf den Kalkputzwänden. Um die Kirche heller werden zu lassen und den Blick der Besucher auf die Details der Bilder, Figuren und die Kanzel zu lenken, hat sich der Kirchengemeinderat Mitte 2016 dazu entschlossen eine umfassende reinigung der Wände vornehmen zu lassen. Mit Herrn Kuntel wurde ein sehr erfahrenen restaurator vor Ort gewonnen, welcher bereits auch die turmkapelle restauriert hat. Die Firma Heller ist für die fachgerechte Einrüstung der Innen- wände verantwortlich und hat dies mit sehr viel Fingerspit- zengefühl durchgeführt. Es ist nicht leicht auf die filigranen Elemente von Figuren und Kanzel zu achten und trotzdem einen geringen Abstand von der Wand zu erreichen. Der restaurator muss mit einem handgroßen Silikon-reibe- schwamm („Akapad“ genannt) in Handarbeit die Schmutz- schicht abtragen.

Wichtig dabei ist, dass sich die Oberfläche des Reinigungsschwamms abträgt und die Schmutzteilchen einschließt ohne die Oberfläche anzugreifen. Damit sich zukünftig die Schmutzpartikel nicht in den Putz einlagern, wird ein Lasuranstrich aufgetragen. Das ist ein weißlich, transparenter Anstrich, der eine hohe Dampfdiffusion hat – d.h. den Putz für das Aufnehmen und wieder Abgeben von Luftfeuchtigkeit offen hält. Schmutzpartikel bleiben auf dieser Lasur haften und werden bei späteren reinigungsarbeiten in 30-50 Jahren einfach feucht abge- tragen. Nachdem bis Ende Februar die linke Seite des Kirchenraumes fertiggestellt werden konnte ist es das ziel den Altarraum bis Ostern auf jeden Fall gerüstfrei zu bekommen. Da das Gerüst auch den Zugang zu den teilweise defekten Stellmotoren für die Betätigung der oberen Fenster ermöglicht, werden diese mit erneuert.

Um solche Maßnahmen in einem historischen Gebäude durchzuführen, bedarf es Abstimmungen mit vielen Beteiligten: von der kommunalen Unteren Denkmalbehörde, über die Instanzen der Oberen Denkmalbehörde des Regierungspräsidiums hin zum bischöflichen Bauamt in Rottenburg und der Einbeziehung unseres Verwaltungszentrums in Böblingen. Wenn sich dann noch die personellen als auch örtlichen Zuständigkeiten der Behörden ändern, kann man vielleicht ermessen, welchen logistischen Spagat Pfarrer Gruber und seine „Gefolgsleute“ im letzten Jahr vollbracht haben.

Der heutige Blick auf die linke Seite bis zur Drucklegung lässt erahnen, welcher Gewinn sich für die Kirche Peter und Paul ergibt. Schließlich ist unsere Stadtkirche aufgrund der Historie seit der Erstellung in der Spätromanik Ende des 13. Jahrhundert, über die neogotischen Gewölbe nach dem Stadtbrand 1648, den späteren barocken und dann wieder neoromanischen Elementen, ein Gebäude, das viel erzählen kann. Lassen Sie sich von unseren Stadtführern (oder unseren beiden (!) turmführern) ruhig von den Jahrhunderten zeitgeschichte mitreißen, welches diese Mauern erlebt haben. Der nun wieder helle Kirchenraum wird hierfür einen kontrastreichen Anblick ermöglichen.

Rüdiger Wagner