Worte der Kirche

© Bild: Factum/ADP In: Pfarrbriefservice.de

Hier finden Sie immer wieder verschiedene Gedanken von verschiedensten Personen der Katholischen sowie Evangelischen Kirchen.

 

 

Wir: Noahs mit Mundschutz

© Georg Hardecker

Liebe Mitglieder, Sympathisanten und Kritiker der Kirchen, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

wegen der Corona-Pandemie geht es uns wie Noah in seiner Arche: Abgekapselt waren wir am Anfang, unsere Wohnung fast wie eine Arche. Draußen tobt etwas, drinnen sind wir sicher. Und sicher ist: Noah und seine Familie kamen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, als sie 40 Tage und Nächte in Gestank und Dunkelheit ausharrten: Momente des Lagerkollers, von Streit, Wut, Verzweiflung. Wie in manchen Häusern bei uns. Zum Durchdrehen, wenn man zu lange aufeinander draufhockt… – Aber dann, eine gefühlte Ewigkeit später: Das Schlimmste ist vorüber, wieder Sonne, wieder Hoffnung: Und Noah lässt eine Taube ausfliegen. Zwar begann damit schon wieder eine Zeit des Wartens – aber eine hoffnungsvollere. Bei uns ist das gerade ebenso: Immer noch Warten – aber wenigstens wieder Gottesdienste feiern! Bald wieder offene Spielplätze, bald wird wieder möglich sein, in die Wilhelma oder ins Museum zu gehen. Zwar steht über allem noch fett „Achtung, Abstand!“, aber es gibt einen Ausblick. Wie lange es noch alles eingeschränkt sein wird? Wohl noch eine ganze Weile. Weil ach so böse Politiker uns in die Knechtschaft schicken wollen? Nein, sondern damit sich vor den Friedhöfen nicht Särge auftürmen und stapeln, die dann irgendwann unwürdig hastig verscharrt werden müssen, weil für mehr keine Zeit bleibt – wie in Bergamo, New York und manchen Städten Brasiliens. Aber unsere Taube haben wir jetzt ein erstes Mal losgeschickt; und wir warten darauf, dass sie eines Tages nicht mehr wiederkommt. Möge Gott uns Geduld und Trost geben! Wir warten auf den Regenbogen, wenn auch mit Mundschutz.

© Georg Hardecker ist Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Merklingen