Predigt 24. Sonntag im Jahreskreis von Pfr. Anton Gruber (12./13. September 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Predigt 24. Sonntag im Jahreskreis, 12./13. September 2020, Weil der Stadt (Pfr. Anton Gruber)

Predigt 18. Sonntag im Jahreskreis von Pfr. Anton Gruber (2. August 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Predigt 18. Sonntag im Jahreskreis, 2. Augusti 2020, Weil der Stadt (Pfr. Anton Gruber)

Predigt 17. Sonntag im Jahreskreis von Pfr. Anton Gruber (26. Juli 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Predigt 17. Sonntag im Jahreskreis, 26. Juli 2020, Merklingen und Weil der Stadt (Pfr. Anton Gruber)

Predigt Ökumenischer Gottesdienst auf dem Viehmarktplatz von Pfr. Anton Gruber (19. Juli 2020, Weil der Stadt)

Predigt Ökumenischer Gottesdienst auf dem Viehmarktplatz, 19. Juli 2020, Weil der Stadt (Pfr. Anton Gruber)

Predigt 15. Sonntag im Jahreskreis von Pfr. Anton Gruber (12. Juli 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Predigt 15. Sonntag im Jahreskreis, 12. Juli 2020, Weil der Stadt (Pfr. Anton Gruber)

Predigt "Der andere Gottesdienst, in Merklingen, 5. Juli 2020

Predigt "Hoffnung" (Iris Schell), 5. Juli 2020

Predigt 14. Sonntag im Jahreskreis von Pfr. Anton Gruber (5. Juli 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Predigt 14. Sonntag im Jahreskreis, 5. Juli 2020, Weil der Stadt (Pfr. Anton Gruber)

Predigt zum Patrozinium St. Peter und Paul von Pfr. Anton Gruber (28. Juni 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Predigt Peter und Paul 2020

Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis A von Pfr. Anton Gruber (14. Juni 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Liebe Schwestern und Brüder,

Immer wieder bin ich verblüfft, wie sehr die Texte des Evangeliums in unsere Zeit passen - und das völlig unabhängig von der Krisenzeit, in der wir uns befinden. 

Obwohl seit der Zeit Jesu auf Erden beinahe zweitausend Jahre vergangen sind, obwohl un-zählige technische Errungenschaften unsere Welt verändert haben und unsere Gesellschaft sicher ganz anders aussieht als damals: Es gibt bestimmte menschliche Situationen und Prob-leme, die sich wohl nie ändern.

Eine solche Sachlage finde ich auch im heutigen Evangelium vor.

Da wird berichtet, wie Jesus die Menschen sieht, die „müde und erschöpft (waren), wie Scha-fe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36).

Dies ist eine Situation, die wohl keinem von uns fremd ist. Jesus spricht hier in eine Situation, die wir alle kennen. Es ist ein Evangelium, das wohl auf jeden von uns in irgendeiner Weise passt. Zum einen gibt es Probleme im familiären oder beruflichen Bereich, bei denen Men-schen nicht mehr weiter wissen und auch in Kirche und Gesellschaft stellt sich manch einer immer wieder die Frage, wie es wohl weitergehen wird, von der unsicheren Situation in Sa-chen Corona ganz zu schweigen.

Ich denke, Sie geben mir recht: Wir spüren, dass wir in einer Zeit der Unruhe und des Um-bruchs leben - und wie gesagt, die galt schon vor der Pandemie und wird durch sie eher ncoh verschärft. Sowohl in Fragen der gesellschaftlichen Wertvorstellungen, - auch und gerade im Bereich von Kirche und Religion - merken wir, dass es an allen Ecken und Enden zieht und klemmt. Da treffen die unterschiedlichsten Vorstellungen aufeinander, und letztendlich kann keiner sagen, wie Gesellschaft oder auch Kirche in zwanzig, dreißig oder gar fünfzig Jahren aussehen wird.

In all diesem Wandel und dieser Unsicherheit  befinden wir uns mitten drin. Genauso orientie-rungslos, müde und erschöpft, wie Jesus nach dem Zeugnis des Matthäus das Volk seiner Zeit erlebt hat. 

Da stellt sich die Frage, um mit dem Pasalmbeter zu rufen: Woher kommt uns Hilfe?. Was ist das Gebot der Stunde, wobei uns allen wohl klar ist, dass es vermessen wäre auf jemanden zu hoffen, der meinte, eine Patentlösung parat zu haben. da kann man dann nur einer Rattenfän-gerartei aufsitzen, die einem scheinbar den Weg ins das gelobte Land weist und die Löung parat zu haben scheint.

Nein, so einfach geht es leider nicht.

Eins zeigt sich aber ganz deutlich: Ein schlichtes Die-Augen-Verschließen kann nicht die Lö-sung sein, genauso wenig wie ein stures Festhalten an den Dingen der Vergangenheit. 

Wir müssen uns den Herausforderungen unserer Zeit, wie wir sie haben, stellen. Einzig die Frage bleibt, wie das geht. Welche Methoden und Handlungsweisen sind gefragt, was sind die Konzeptionen und Programme, die uns wenigstens einen Schritt weiterbringen?

Der Blick auf das Evangelium, der in ähnlichen Fällen immer als Lösungsansatz herangezogen wird, macht mich in diesem Fall bei solch einer Planung allerdings stutzig.

Da entdecke ich, dass für Jesus in seinem Fall nämlich nicht als erstes die Entwicklung einer pastoralen, pädagogischen oder gesellschaftlichen Konzeption im Mittelpunkt steht. Er packt die Problematik vielmehr ganz anders an.

Hören wir doch einfach noch einmal in den Evangelientext hinein:

„In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.. 

Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.

Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister aus-zutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“ (Mt 9,36-10,1).

Ist es Ihnen aufgefallen?

Jesus setzt in seiner Pastoral zunächst nicht auf irgendwelche inhaltlich ausgearbeiteten und minutiös ausgefeilten Konzepte. Sein - wenn  man so will - Konzept ist es vielmehr, auf den Menschen zu setzen. Er sucht sich engagierte Mitarbeiter, die ihm helfen sollen, seine Ideen zu verwirklichen. 

Bei der Frage, was dies für uns heute im Blick auf Kirche und Gesellschaft und ihre Problem im Umbruch heißt, scheint mir die Konsequenz klar zu sein:

Es geht zuallererst nicht um Planungen und Konzepte, sondern um Menschen. Es geht um uns und um Sie!

Wir alle hier sind diese Mitarbeiter Jesu, die er sich ausgesucht hat und die sich daran machen sollen, die Botschaft Gottes, dass jeder Mensch einen Wert hat, unter das Volk zu bringen, jeder an der Stelle, an die  er gestellt und für die er berufen ist: Die Profis in Kirche und Bil-dungs- und Erziehungseinrichtungen wie die Laien, die Hauptberuflichen genauso wie die Ehrenamtlichen. 

Kirche und Gesellschaft leben und wachsen erst durch die Menschen, die sich für sie und in ihr einsetzen. Die Sorge um „Arbeiter für die Ernte“ ist das Vorrangigste, das uns beschäfti-gen muss, im Hauptamt genauso wie im Ehrenamt.

Liebe Schwestern und Brüder,

Aufschlussreich dabei finde ich den Auftrag und die Arbeitsweise, die Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben hat. Und vor allem auch, wen er als Zielgruppe zunächst aussucht:

Zum einen entdecke ich da, dass Jesus zunächst nicht die Heiden und Samariter im Auge hat, nicht diejenigen, die weiter weg sind. Er fordert im Gegenteil, zunächst im Innenbereich anzu-fangen, bei den „verlorenen Schafen Israels“, das heißt, zunächst eine gründliche Innensanie-rung vorzunehmen.

Zum zweiten halte ich auch den Blick auf den Inhalt der Botschaft für interessant. Jesus spricht in seiner Verkündigung des Himmelreiches von dem Verpflichtung, Kranke zu heilen, Tote aufzuwecken und Aussätzige rein zu machen.

Es ist ein äußerst positiver und menschenfreundlicher Auftrag. 

Jesus braucht Menschen, die ganz konkret anpacken, sei es als ganz konkreter Mitarbeiter vor Ort oder als jemand, der diese Arbeit an den Armen unserer Zeit fördernd unterstützt.

Und wer können diese Mitarbeiter anders sein, als wir alle?

Doch keine Angst. ich sehe hier nicht nur Ansprüche oder gar eine andauernde Überforde-rung, die Jesus an uns stellt.

Für mich hat dieses Evangelium ganz im Gegenteil etwas ungemein Beruhigendes und ganz Positives.

Jesus möchte den Menschen Mut zusprechen, er traut ihnen was zu und löst die Kräfte, di ein ihnen schlummern.

Und so sehe ich, welche positive Kraft und Inhalt unser Glaube hat. Etwas, für das es sich schon lohnt sich selbst einzusetzen und sich in den Dienst dieses Mannes Jesus von Nazareth zu stellen. Nicht nur wegen seines Auftrags, sondern auch um der Menschen willen, denen man helfen muss. Trauen wir uns, in die Fußstapfen dieses Mannes zu treten und stehen wir zu den Werten unseres Glauben gerade auch in einer Zeit, wo wir meinen, dass dies so gar nicht modern wäre. Er vertraut uns von seiner Seite aus auf jeden Fall und traut es uns zu. Auch hier du heute. Auch im Coronajahr 2020. Amen.

Predigt an Fronleichnam von Pfr. Anton Gruber (11. Juni 2020 in St. Peter und Paul, Weil der Stadt)

Liebe Schwestern und Brüder, 

Wir feiern heute Fronleichnam. Vielleicht geht es Ihnen wie mir. 'Fronleichnam' ist ein Wort, das in mir sofort die unterschiedlichsten Assoziationen auslöst.

In meiner Vorstellung taucht da das Bild eines festlichen Gottesdienstes auf, mit allem was dazu gehört: ein strahlend blauer Himmel, Menschen, die festlich gekleidet sind, der Musikverein mit dem großen Prozessionsmarsch. Beinahe meine ich, allein beim Hören des Begriffes Fronleichnam handgreiflich vor mir zu sehen, wie sich eine große festliche Menschenmenge durch die Straßen einer Stadt windet: der Pfarrer, der unter dem 'Himmel' geht und die Monstranz in der Hand hält. Kinder, die vor ihm her gehen und Blumen streuen, Häuser, die ringsum feierlich geschmückt und mit Fahnen beflaggt sind. Kleine Altäre mit Madonnen und Heiligenbildern vor den Türen und Fenstern und überall herrscht Hochstimmung.

Doch dann entdecke ich in mir aber auch die andere Seite: Ich nehme voller Bedauern zur Kenntnis, dass Fronleichnam für viele auch katholische Christen nur ein arbeitsfreier Tag ist, der Gelegenheit zum Ausschlafen oder bei gutem Wetter zu einem Ausflug bietet. Und ich entdecke in mir das Gefühl, dass ich diese Menschen sogar ein bisschen verstehen kann. 

Denn wirft man einen Blick zurück in die Geschichte, mag man es noch anerkennen, dass in der Barockzeit mit all ihrer Pracht ein solches Fest seinen Sitz im Leben hatte und verstanden werden konnte, damals bei einer Kirche, die sich in all ihrem Pomp inmitten der sie tragenden feudalen Gesellschaft feierte. Aber in unserer Gesellschaft, in der Kirche immer weniger Einfluß hat? Selbst das Wort „Fronleichnam“ an sich scheint ja schon uralt zu klingen, beinahe modrig. Muss man sich da wundern, dass das Fest dahinter von vielen Leuten nicht mehr verstanden wird?

Und so drängt sich in mir etwas die Frage auf, ob dieses Fronleichnam nicht ein Fest ist, das uns Kirchgänger zwar die Tradition beschert hat, das den modernen aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts aber nichts mehr geben kann? Könnte Fronleichnam nicht vielleicht ein Fest sein, das genauso veraltet ist wie sein Name?

Eine schwache Hilfe, liebe Schwestern und Brüder, kann da nur bieten, dass wohl auch die Experten der deutschen Liturgiekommission im Anschluss ans das Zweite Vatikanische Konzil bemerkt haben, dass das Wort Fronleichnam nicht mehr zeitgemäß ist. Im aktuellen Meßbuch ist dieses Fest Fronleichnam deshalb offiziell auch mit einem anderen Titel versehen: "Hochfest des Leibes und Blutes Christi", heißt es da. Zugegebenermaßen: nun handelt es sich um eine Übersetzung in heutiges Deutsch, aber ob diese Kirchensprache, auf Anhieb für die Mehrheit der Menschen verständlich ist. Ich glaube nicht.

"Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Was soll sich dahinter für uns moderne Menschen verbergen?

Im heutigen Evangelium verweist Jesus ganz auf sich und bewzeichnet sich als lebendiges Brot, das vom Himmel gekommen sei.

Für uns alle ist klar, dass dies ein Verweis auf sein Vermächtnis ist, das er am Letzten Abendmahl seinen Jüngern gegeben hat:  Nehmt dieses Brot, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Diesen Text kennen wir vom Gründonnerstag her. 

Das ist auch die Linie, die uns bei der Suche nach der Bedeutung des heutigen Festtages weiterführt: Auch Fronleichnam – Entschuldigung, das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi, fällt auf einen Donnerstag. Hier zeigt sich ganz klar eine Verbindung. Neben dem Gründonnerstag ist - sagen wir einfach doch - Fronleichnam das zweite Fest, an dem in besonderer Weise an das letzte Abendmahl Jesu gedacht wird.

Da stellt sich allerdings die Frage: Warum aber gibt es gleich zwei Feste mit dem gleichen Anliegen? 

Liebe Schwestern und Brüder, Wenn wir beide Tage vergleichen, erkennen wir sehr schnell den Unterschied. 

An Gründonnerstag kann im Gottesdienst keine richtige Freude aufkommen. Zu sehr ist dieser Tag vom Leiden und Sterben Jesu Christi am nächsten Tag, dem Karfreitag, geprägt. Fronleichnam dagegen ist die freudestrahlende Seite des Gründonnerstags. An Fronleichnam denken wir weniger an das Leiden und Sterben Jesu, sondern wir freuen uns darüber, dass Jesus Christus, als er von uns gegangen ist, uns Brot und Wein als sein Fleisch und Blut zum Zeichen seiner bleibenden Anwesenheit hinterlassen hat. Denn das ist doch unser Glaube doch, dass er, Jesus Christus, in Brot und Wein über die wir die Wandlungsworte sprechen, wahrhaft unter uns ist.

Fronleichnam ist so ein Fest der Freude, an dem wir das Versprechen Jesu in den Mittelpunkt stellen: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut. Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Wir feiern Jesus als denjenigen, der auch hier und heute in Brot und Wein unter uns gegenwärtig ist – wirklich Anlass genug für den Gläubigen, dies in einem Fest zu begehen.

Doch eine Frage bleibt noch offen, weshalb die Kirche den heutigen Gottesdienstes in dieser ungewöhnlichen Form mit der anschließenden Prozession durch die Straßen der Stadt begeht.

Lassen Sie mich einen kurzen Umweg für die Erklärung nehmen:

Wenn man nach Vergleichbarem mit der Fronleichnamsprozession im öffentlichen Leben einer Stadt sucht, fallen mir vor allem zwei Situationen ein.

Da gibt es zum einen die Fasnetsumzüge oder auch Umzüge aus Anlaß wichtiger Jubiläen einer Stadt oder eines Dorfes. Der Grund dafür, einen solchen Umzug zu veranstalten, ist sicherlich die Freude an dem Ereignis, ein Freude, die man mit anderen teilen möchte und die man auch zur Schau stellen will, man will mit dem ganzen Ort feiern. In der Fronleichnamsprozession steckt auch etwas davon: Wir möchten etwas von der Freude zeigen, die uns am heutigen Tag bewegt – die Freude darüber, dass wir Jesus in  der Gestalt von Brot und Wein auch heute hier bei uns haben.

Als zweiten Vergleichspunkt für die Fronleichnamsprozession fällt mir ein Demonstrationszug ein. Bei einer Demonstration ziehen Menschen durch die Stadt, um sich Gehör zu verschaffen, um auf etwas aufmerksam zu machen. Auch dies ist sicher ein Motiv, das für unseren Fronleichnamsgottesdienst und die Prozession gilt. Auch wir haben eine Botschaft zu verkünden und wollen ihr in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen.

Allerdings, liebe Schwestern und Brüder, sehe ich einen großen Unterschied von unserer Fronleichnamsprozession zu den meisten Demonstrationen. Diese richten sich meist gegen etwas. Sie prangern Mißstände an und wollen etwas verhindern. Viele Demonstrationen haben deshalb auch ein zerstörerisches Potential in sich. Man braucht nur an die Ausschreitungen denken, die leider oftmals an der Tagesordnung sind, mit all den Auswirkungen wie notwendigem Polizeischutz oder gar Straßenschlachten von radikalen Demonstranten mit der Polizei.

Wir hier und heute dagegen brauchen keinen Polizeischutz. Wir sind nicht gegen etwas, wir stehen im Gegenteil mit unserer Prozession am heutigen Tage für eine ganz und gar positive Botschaft ein, eine Botschaft, die Freude bei den Menschen auslösen will.

Den Gottesdienst und die anschließende Prozession hier und heute möchte ich deshalb als eine Art Kundgebung für das Leben verstanden wissen. Dieser Gottesdienst und die anschließende Prozession mit dem eucharistischen Brot in der Mitte, wollen von dieser positiven Haltung aller Welt Zeugnis geben und es ihr demonstrieren. Von diesem Brot, das wir mit uns tragen,  glauben wir, dass in ihm Jesus Christus wahrhaftig unter uns ist. Zwar ist er auch unter uns, wenn wir zu ihm beten oder uns zum Gottesdienst versammeln, doch in diesem Brot, das hat er uns beim letzten Abendmahl verheißen, ist er in ganz besonderer Weise leibhaft bei uns.

Wir tragen heute dieses Brot durch die Straßen, um zu zeigen: Seht, das ist unser Glaube. Jesus Christus, Gottes Sohn hat uns erlöst, er ist der Auferstandene, unser Licht und unser Heil. Er ist mitten unter uns. Er kann Stütze, Halt und Sinngebung für unser und euer Leben geben. Und das gilt auch in schweren Zeiten, wie wir sie erleben müssen. Amen.

 

 

Predigt am Dreifaltigkeitssonntag von Pfr. Anton Gruber (7. Juni 2020 in St. Peter und Paul)

Liebe Schwestern und Brüder,

Wie haben heute schon einiges an Trinitätstheologie, der Lehre von der Dreifaltigkeit gehört, nämlich dass es nur einen Gott in den drei Personen von Vater, Sohn und Hl. Geist gibt, nämlich in den Texten der Lieder (GL 820 und 820). Eigentlich gibt es da nur zwei einfache Grundsätze:

1. Man gibt allen drei Personen die gleiche Ehre, das heißt alle drei Personen stehen auf gleicher Ebene

und

2. Man beschreibt die einzelnen Personen durch sogenannte Appropriationen (Zuweisungen), wobei man immer auch mittdenkt, dass die anderen zwei göttlichen Personen dabei mitbeteiligt, bzw. einverstanden sind:

z. B. der Vater hat die Welt erschaffen (unter Beteiligung von Sohn und Hl. Geist),

der Sohn hat die Welt erlöst (mit Einverständins der anderen beiden göttlivhenPersonen)

und der Hl. Geist erhält die Welt (unter Mitwirkung von Vater und Sohn, die ihn gesandt haben)

Am heutigen Dreifaltigkeitssonntag möchte ich aber unseren Blick auf etwas anderes wenden, nämlich die geschichtliche Seite wenden.

Der Blick auf die Geschichte der Menschheit zeigt, dass die Vorstellung der Menschen von ihrem Gott oder ihren Göttern zu einem der wichtigsten und interessantesten Kapitel gehören. Denn eng verknüpft mit der Vorstellung Gottes ist ja auch die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens. Sag mir, wer und wie dein Gott ist, und ich sage dir, wer du bist, so könnte man in Abwandlung eines bekannten Ausspruches sagen.

Der Blick auf die Gottesvorstellungen der Vergangenheit bringt für die Frage, wer unser Gott ist und was wir von ihm halten tatsächlich einen Wissenszuwachs.

denn, leider Gottes gibt und gab es eben zu keiner Zeit ein Buch, das vom Himmel fiel und in dem das Wesen Gottes oder der Götter beschrieben wurde. Nein, die Menschen mussten selbst die Erfahrung mit Gott machen - Gott eben nicht als menschengemachtes Gedankenkonstrukt sondern als lebendiges, kraftvolles und wirkmächtiges Gegenüber der Menschen. Got zeigte sich erst im Glauben an ihn.

Ich denke, Sie alle wissen, dass dabei der Glaube an einen Gott erst eine Erkenntnis der Menschen war, die erst im Lauf der Zeit sich durchsetzte.

Ausgangspunkt der Menschen war tatsächlich de Erfahrung, dass er aus sich selbst heraus nicht Herr der Natur und seiner Umwelt war. Der Mensch entdeckte sehr schnell, dass er im Gegensatz zur Vorstellung eines Gottes schwach, fehlerhaft und vor allem endlich war. Gerade die Erfahrung von Unheil, von Krankheit und vor allem Tod zeigte ihm, dass er selbst letztendlich nicht Herr über sein Leben war.

Die Vermutung lag nahe, dass hinter all dem Kräfte der Natur stecken mussten, oder mit anderen Worten, personal gedacht: Götter. Zunächst nahmen die Menschen an, dass für all die Phänomene je einzelne Götter verantwortlich zeichnen würden - das war die gängige Vorstellung, wenigstens bei uns im europäischen Bereich.

ich denke Sie alle kennen mehr oder weniger den Götterhimmel der Griechen oder Römer und Ähnliches gab es auch schon in früheren Zeiten bei den Hochkulturen der Assyrer, Babylonier oder auch Ägypter.

Grundlegend anders wurde das Verständnis Gottes dann erst bei den Israeliten und ihren Stammvätern. Sie merkten, dass für Sie nur ein einziger Gott wichtig war,  eben der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie er zu Beginn des alten Testatmens immer wieder genannt wird. Diese Entwicklung hin zum ein-Gott-Glaube wurde dann vollends vollzogen durch die Geschehnisse rings um ihr Exodus-Erlebnis mit der Befreiung der Israeliten aus Ägypten: Mose erfuhr den Namen dieses Gottes: Jahwe übersetzt: ich bin da und in den 10 geboten wurde dieser Glaube an den einen Gott zementiert: Sie alle kennen das erste Gebot: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ (Ex 20,2f).

Für Israel und damit dann auch dem Judentum war klar: dieser eine Gott ist der Gott, der für sie alleine alles bestimmt. Doch noch eine zweite Erkenntnis kam mit diesem Exodusgeschehen für die Israeliten dazu. Sie hatten plötzlich die Zusage dieses Gottes, dass er sich um sie, um sein Volk kümmert.

Das war eine ungeheure Neuerung. Bisher waren die Götter immer unberechenbar gewesen, sie waren die ganz anderen, die Welt war für sie so etwas wie ihre Spielwiese und die Menschen darin eher so etwas wie ihre Marionetten.

Und doch blieb eines noch anders, als wir als Christen es gewohnt sind. Für usn ist Gott immer der liebe freundliche, sagen wir es einfach mit dem einen Wort, der sich um uns kümmernde Vatergott.  

eine solche Vorstellung war den Menschen damals noch völlig fremd, das trauten sie sich gar nicht zu denken.

Auch wenn Gott sich zu ihnen bekannt hatte, blieb er immer doch der ganz andere, vor dem man Respekt, ja sogar Furcht haben musste - ich denke, Sie alle kennen noch den Begriff der Gottesfurcht, der sich in manchen Texten und Liedern zwar in unsere Zeit herübergerettet hat, mit dem wir heutigen Christen aber kaum mehr etwas anfangen können.

Denn für uns Christen gab es tatsächlich, am besten sage ich es so, einen nächsten evolutionsschritt: eben dass in Jesus Christus Gott Mensch geworden ist, dass er uns zum Bruder geworden ist und es uns ermöglicht, Gott ganz vertrauensvoll als Vater anzusehen.

Wobei, Sie merken: Evolution ist eigentlich das falsche Wort, denn es ist keine Leistung von uns Menschen, sondern es ist eine Selbstoffenbarung Gottes, genauso wie er sich damals schon Mose im brennenden Dornbusch geoffenbart hatte- dieses Mal aber weit größer, nicht nur durch Worte und in einer Erscheinung, sondern im menschgewordenen Gottessohn.

Und in dieser Selbstoffenbarung Gottes hat Gott uns in  Jesus auch sein innerstes Wesen offenbart, nämlich die Dreifaltigkeit, seine innere Verfasstheit des einen Gottes in drei Personen, die wir Vater, Sohn und Heiligen Geist nennen.

Und, liebe Schwestern und Brüder, keine Sorge, wenn Sie den Eindruck haben, diese trinitarische Struktur Gottes wäre kaum zu verstehen. Das ist kein Wunder. Denn, wir Menschen können auch nur staunend davor stehen. Wir können Gott nicht begreifen, auch nicht der klügste Theologieprofessor, denn sonst wäre Gott nicht Gott. Aber wir können durch das Wissen der Dreifaltigkeit diesem Gott ein Stück weit besser und vertrauter begegnen. denn wir können den einzelnen Personen bestimmte Eigenschaften zuschreiben, die zwar Gott insgesamt betreffen, welche aber uns den Zugang zu ihm erleichtern: das sehen wir Gott als Gott-Vater, als den der alles schafft und hinter allem steht, als der der als Patriarch - und das meine ich hier in gutem Sinn, das Beste für uns, seine Geschöpfe will. Da sehe ich den Sohn, der um unseres Heiles willen Mensch geworden ist. In ihm sehen wir denjenigen, der uns sündige Menschen zu einer neuen Würde verholfen hat und immer wieder neu verhilft. Und dann sehen wir den Heiligen Geist, den Geist der Liebe, der Gott und Menschen verbinden will, der immer wieder neu die gute Schöpfungskraft und -kreativität Gottes in der Welt ist.

Nein, es ist tatsächlich so, wir brauchen die Dreifaltigkeit Gottes nicht zu verstehen, aber wir dürfen sie annehmen und auskosten mit dem Wissen, dass Gott eben kein Egomane und Egozentriker ist, sondern ein Gott, schon im innersten Wesen auf Kommunikation auf Miteinander auf Liebe angelegt ist.

Und das ist die tolle Botschaft des heutigen Dreifaltigkeitssonntages, denn diese Liebe, die in Gott selbst wesenhaft angelegt ist verströmt sich nach außen hin auf uns Menschen.

Amen.

Pfr. Anton Gruber - Predigt 7. Sonntag der Osterzeit A, 24.5.2020 Weil der Stadt

Predigt 7. Sonntag der Osterzeit A, 24.5.2020 Weil der Stadt

Apg + 1 Petr + Ev.

Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser Zeit zwischen Ostern und Pfingsten kann ich mich eigentlich am Anfang meiner Predigt immer nur wiederholen: nämlich deshalb, weil ich es spannend finde, in den Lesungen dieser Zeit quasi mitzuerleben, wie die junge Kirche sich entwickelt, wie sie zuerst sich finden muss und vor allem auch und wie sie mit den Problemen, die sich ihr auftun, fertig wird.

Grundlage dieses historischen Rückblicks ist dabei zuallererst die Apostelgeschichte. Sie alle wissen sicherlich, dass sie das zweite Buch des Evangelisten Lukas ist. Sozusagen der Folgeband seines Erfolgsschlagers, des Lukasevangeliums.

Und da Lukas, wer hätte es anders vermutet, ein glühender Anhänger dieses Jesus ist, hört sich seine Schilderung darin meistens auch ziemlich gut an. So auch heute, wo er zu berichten weiß, dass sich nach der Himmelfahrt Jesu die Apostel und die anderen Jüngerinnen und Jünger zusammen mit Maria zum Gebet in den Abendmahlssaal zurückziehen. So weit so gut. Aber sich die Mühe macht, die Zahl der Apostel einmal nachzuzählen, die er auflistet, erkennt hier schon ein erstes Problem. Es sind eben nur 11 Personen - klar: Judas Iskariot, der Verräter Jesu hatte gleich nach der Verruteilung Jesu den Weg der Selbsttötung vorgezogen und war nicht mehr unter ihnen - sicherlich für die kleine Schar der Jesusanhänger nicht gerade eine tolle Startsituation. 

Der erste Petrusbrief, der uns heute als zweite Lesung angeboten wurde, und der etwas weiter in die Zukunft weist, lässt dazu noch weit tiefer in die Probleme der ersten Christengemeinde schauen.

Ich denke, Sie  haben die Worte imOhr: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen“ (1 Petr 4,14) und wenn jemand „leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen“ (1 Petr 4,16). Man braucht keine große detektivische Gabe, um an diesen Aussagen des Petrus sofort zu erkennen, dass es wohl für die ersten Anhänger Jesu keine Zuckerschlecken war, die Botschaft von seiner Auferstehung Jesu und der damit verbundenen Liebe Gottes zu uns Menschen zu den Menschen zu bringen. Unverständnis, Beschimpfung, Anfeindung gehörte zu der Tagesordnung.

Und es leuchtet ja auch ein, warum dies wohl der Fall war: Mit der Verkündigung dieser Botschaft wurde ein Keil in die Glaubensgemeinschaft der Juden getrieben. Man musste sich entscheiden: Glaube ich daran, oder nicht. Es kommt zur Abspaltung von der bisherigen vertrauten Religion, vieles war nicht mehr kompatibel mit dem alten Glauben und es entsteht eine neue Religion. Ein wenig später wird es in der Apostelgeschichte heißen: Und man nannte sie, die Neuen, Christen. Und das war keineswegs schmeichelhaft gemeint. Eher so im Sinne von „Messianer“, „Messiasspinner“, die die meinten, dass der Messias, der Erlöser - nichts anderes meint der griechische Begriff Christos - schon gekommen wäre. Im Blick der meisten Juden eben eine total lachhafte Vorstellung, da eben mit dem Messias immer eine sichtbare auch politische Erlösung und Rettung gedacht worden war. Und das wissen wir alle, das geschah mit Jesus eben nicht - auch nicht durch seine Auferstehung.

Liebe Mitchristen,

warum erzähle ich das so genau?

Nun, es ist tatsächlich so, dass der Blick auf die Anfänge einer Organisation oder Bewegung immer wieder im Sinne einer Selbstvergewisserung nötig. Es ist hilfreich, immer wieder auf die Gründungszeit und ihre Absichten zu schauen, um für die Gegenwart Orientierung zu haben, um nicht eine völlig falsche Richtung für die Zukunft einzuschlagen.

Wir alle sind wohl noch gewöhnt, in einer positiv besetzten christlichen Kultur zu leben. In der Vergangenheit hatten sich die Kirchen über Jahrhunderte, ja sogar über ein Jahrtausend lang es sich sehr gut mit dem Staat eingerichtet. Könige und Kaiser wurden von Päpsten und kirchlichen Oberhäuptern gekrönt und der Staat sorgte dafür, dass die Kirche blühen und gedeihen konnte. Für geschichtlich Interessierte nur in Klammern gesagt: Die sogenannte Konstantinische Wende unter dem römischen Kaiser Konstantin I am Anfang des 4. Jahrhunderts brachte dieses System zum Vorschein, das dann unter Kaiser Theodosius im Jahr 380 zu Blüte gelangte: das Christentum als alleinige Staatsreligion: damit wurde dies dann auch zur Geburtsstunde des christlichen Abendlandes.

Nun, liebe Schwestern und Brüder, 

wir alle merken sicherlich schon seit längerem, dass dieses System, des Miteinanders von Kirche und Staat ins Wanken gekommen ist.

Die Zeit der Aufklärung ist hier das Stichwort, das zu nennen ist. Es geht um die Entdeckung der Emanzipation des einzelnen von Autoritäten und auch vom sozialen Druck der Gesellschaft. Der Individualismus wurde geboren und beinahe zum neuen Allein-Prinzip erhoben. Zunächst einmal muss dies nicht Schlimmes sein, und ich bin mir sicher, dass auch jeder von uns selbst davon betroffen ist.

Die Frage stellt sich nur, wie stark und mit welchen Konsequenzen.

Nehmen Sie zum Beispiel die Menschen verweisen, welche auf dem Stuttgarter Wasen gegen die die Coronaauflagen demonstrieren. Es ist unglaublich, welch kunterbunter Pool von völlig unterschiedlichen Gründen sie nennen, um zu gehen. 

Aber so extrem braucht es gar nicht zu sein. Die Auswirkungen davon sehen wir tagtäglich an vielen Dingen.  Sie können beinahe jeden beliebigen Bereich unserer Gesellschaft nehmen, in dem vermeintlich allgemeingültige Konsense durch individuelle Vorlieben abgelöst wurden. Das reicht vom unterschiedlichen Musikgeschmack der Jugendlichen, von denen Sie kaum noch zwei Personen finden, die dieselben Lieder auf ihren Playlist haben, über Modestile einzelne Personen die weit auseinandergehen bis hin zu den politischen Parteien, welche sich immer mehr aufspalten und ausdifferenzieren. 

Und natürlich macht dieser Trend auch vor Kirche nicht Halt. War es vor 60 oder gar 100 Jahren so, dass sich jemand rechtfertigen musste, nicht in die Kirche zu gehen oder gar nicht zu ihr zu gehören, hat sich das in der Zwischenzeit schon beinahe umgedreht. Wir Gläubige müssen uns rechtfertigen, warum uns unser Glaube wichtig ist und vor allem, warum wir noch zur Kirche halten.

Und der Verweis auf die durch nichts zu rechtfertigenden abscheulichen Missbrauchsskandale der katholischen Kirche tut da noch das seinige und verstärkt diesen ganzen Prozess der Selbstemanzipation des einzelnen in Sachen Religion.

Und, hier, liebe Schwestern und Brüder, bin ich dann wieder beim Blick auf die Texte der Lesung angelangt und da besonders beim ersten Petrusbrief. Ich denke, hier können wir seine auch für uns mitten in unsere Situation am Anfang des 21. Jahrhunderts hören: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen“ (1 Petr 4,14) und wenn jemand „leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen“ (1 Petr 4,16).

Und nein, hier geht es nicht um einen sentimentalen Blick zurück, hier geht es auch nicht darum, sich nach einer Zeit zu sehnen, in denen Kirche die Meinungsführerschaft im Staat hatte.

Es geht hier um etwas anderes:

Es geht hier im Blick auf die Männer und Frauen der ersten Stunde darum, zu sehen, dass diese Menschen von der Sache Jesu, von seiner Botschaft der Nächstenliebe und von seiner Bestätigung durch die Auferstehung  überzeugt waren. Sie taten dies nicht aus Gewohnheit oder weil es opportun erschien. Nein sie fanden für sich darin ihren Lebensinhalt.

Und das ist die Erkenntnis, die auch für uns in unserer Zeit die Aufgabe und das Ziel sein muss. Es geht nicht darum, liebgewordene Privilegien zu verteidigen. Und es geht auch nicht darum Dinge schönzureden, welche so nie passieren hätten dürfen.  Aber es geht darum, die eigentliche Botschaft Jesu wieder zu hören. es geht darum, für sie einzutreten und ihr Gehör zu verschaffen. Vielleicht oder vielleicht sogar wahrscheinlich in einer ganz neuen Art und Weise, die noch keiner von uns kennt.

Was dabei aber klar ist. Und auch das zeigt uns der Blick zurück: Für die Verbreitung dieser Botschaft braucht es überzeugt Menschen; dazu braucht es Ermutigung, auch in schwierigen Situationen durchzuhalten und dazu braucht es das Wissen, dass Gott mit seinem Geist dazu bei uns ist.

Wie heißt es im Petrusbrief? „Denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch“.

Und Sie haben sicher auch noch die Worte Jesu im Ohr:

„Für sie bitte ich;

nicht für die Welt bitte ich,

sondern für alle, die du mir gegeben hast;

denn sie gehören dir.“ (Joh 17,9)

Gott ist bei uns.

Amen.



Pfr. Anton Gruber - Predigt zum Fest Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020, Weil der Stadt

Liebe Schwestern und Brüder,

Als Lesung und Evangelium des heutigen Tages haben wir gerade zwei Texte gehört, die ganz markante Stellungen in der Bibel einnehmen. Der Text des heutigen Evangeliums bildet den Schluss des Matthäusevangeliums und der Text der Lesung steht am Beginn der Apostelgeschichte. Schon allein diese äußerliche Tatsache kann uns ein Hinweis sein, dass Christi Himmelfahrt ein Fest mit einer markanten Bedeutung ist.

Doch was ist das Wichtige an diesem Ereignis der Himmelfahrt Jesu?

Stellen Sie sich die Situation der Jünger am Himmelfahrtstag damals in Jerusalem vor: 

40 Tage ist es nun her seit der Auferstehung Jesu. Das menschliche Wirken Jesu auf der Erde ist zu Ende. Und jetzt wird er zur Rechten seines Vaters erhöht. Damit ist ein wesentliches Kapitel der Geschichte geschrieben. Nun kommt wird ein neues aufgeschlagen. 

Für die Jünger stellt sich die Frage: Was nun? Jesus, der Herr und Meister, der bisher in allem die Marschroute angab, ist nicht mehr unter ihnen. Wie soll es also weitergehen? Und vor allem, die wichtigste Frage von allen: Geht es überhaupt weiter?

Zunächst herrscht eine große Ratlosigkeit unter den Jüngern. Was sollen sie nur tun? Sie haben es symbolhaft gehört: Hilflos schauen sie Jesus nach.

Es braucht den Rat von zwei Männern in weißen Gewändern, die sie auf den Erdboden der Realität zurückholen und sie auf das Erforderliche verweisen: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" (Apg 1,11).

Nicht im Himmel, nicht in irgendwelchen Träumen von einem messianischen Reich, das  irgendwann einmal kommen wird, liegt ihre Zukunft, sondern ganz handfest auf der Erde. 

Auf die Jünger warten wichtige Aufgaben, die Jesus ihnen bei seinem Abschied angekündigt hatte: 

Haben Sie die Worte aus der Apostelgeschichte noch im Ohr? " ihr werdet Kraft empfangen,

wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein

in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde." (Apg 1,8).

Jetzt heißt es nicht mehr, nur als Jünger dem Meister hinterherzulaufen, jetzt gilt es, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen nun selbst die Initiative ergreifen und aktiv werden. An ihnen liegt es nun, der Botschaft Jesu Verbreitung zu verschaffen. Sie müssen für Jesus, der nicht mehr unter ihnen ist, in die Bresche springen.

Das Matthäus-Evangelium spricht dabei eine deutliche Sprache mit dem, was es Jesus als letzte Worte in den Mund legt: 

„… geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.

Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,19f).

Eine neue Ära bricht an, eine Ära, in der die Last für die Verbreitung des Glaubens auf den Schultern der wenigen treuen Anhänger des Jesus liegt.

Und, liebe Schwestern und Brüder, die Jünger machen sich an die Arbeit.

Wenn ich heute aus beinahe zweitausend Jahren Entfernung auf diesen bescheidenen Anfang schaue, kann ich nur voller Bewunderung staunen. Was ist nicht aus dem kleinen Haufen, aus dieser Handvoll Männer und Frauen in Jerusalem geworden, die die erste Gemeinde Jesu gebildet haben? Was haben diese einfachen Menschen, meist Fischer vom See Gennesaret, nicht Großartiges geleistet und gewirkt, damit daraus eine weltumspannende Kirche werden konnte, die bis auf den heutigen Tag existiert?

Ich frage mich oft, wie sehr diese ersten Christen von der Botschaft und der Person Jesu begeistert gewesen sein mussten, dass sie all die Strapazen und Mühen auf sich genommen haben, um ihre Erfahrung und ihren Glauben an die Menschen in allen Himmelsrichtungen weiterzugeben.

Und es geht ja noch weiter: Bis heute ist die Kirche damit beschäftigt, den Auftrag Jesu zu erfüllen und die Frohe Botschaft des Christentums in alle Welt hinaus zu tragen. 

Liebe Mitchristen, beim Blick zurück zeigt es sich, dass es in der Vergangenheit immer wieder galt, sich neuen Herausforderungen einer veränderten Zeit zu stellen. Und, ich glaube, Sie stimmen mir zu: es scheint, als ob unserer Generation wieder eine neue Aufgabe aufgetragen wäre. Unser vordringliches Problem dürfte es wohl nicht mehr zu sein, die christliche Botschaft in neue Regionen in Afrika, Südamerika, Asien oder Ozeanien zu verbreiten und dort zu missionieren. (In den sogenannten Jungen Kirchen der Dritten Welt gibt es viele Aufbrüche. Die Kirche dort lebt.)

Es ist vielmehr so, dass wir hier in Europa aufpassen müssen, dass wir mit unserer christlichen Botschaft nicht stillschweigend aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden. Das Wort von der Notwendigkeit der Neuevangelisierung Europas macht schon seit einiger Zeit die Runde.

Noch zehrt unsere Kultur in vielem von den christlichen Werten, die uns von unseren Vorfahren überliefert wurden und für die sie eingetreten sind. Werte wie die Achtung des Lebens, die Menschenwürde, die Nächstenliebe, die Feindesliebe wären auf der Strecke geblieben, wenn nicht das Christentum ausdrücklich den anderen, den Mitmenschen, im Blick gehabt hätte, der als Geschöpf Gottes ebenso das Recht hat zu leben, wie ich selber. Das christliche Menschenbild ist es letztendlich, das uns davon abhält, rücksichtslos nur auf sich selbst und den eigenen Vorteil zu schauen.

Liebe Schwestern und Brüder,

An uns liegt es, die Werte der Mitmenschlichkeit in unserer Zeit zu leben und zu verteidigen.

Dabei müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass es nicht darum gehen kann, uns nur ein Deckmäntelchen der Humanität umzuhängen, das nur so weit reicht, als es dem eigenen Geldbeutel nicht schadet. 

Christentum heißt manchmal auch, auf einen eigenen Vorteil zu verzichten und sich selbst zurückzunehmen, um des Wohles eines anderen willen. 

Ein Jünger und Zeuge Jesu zu sein ist keine leichte Aufgabe. Dazu bedarf es des bewussten Engagements, wie es uns seit der Zeit der Apostel unzählig viele Christen vorgemacht haben. 

Ich muss immer wieder an meine Zeit als Vikar in Heidenheim denken. Dort in der Marienkirche hängt ein Kreuz gesehen, dessen Leib keine Arme hat.

Der eine oberflächliche Grund ist, dass dieser Gekreuzigte aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammt und von ihm nur noch der Korpus existiert und man die Hände nicht einfach nachschnitzen wollte. Der wichtigere inhaltliche Grund aber ist eine Botschaft, die damit ausgedrückt werden soll. In unserer Zeit hat Jesus keine anderen Hände als unsere Hände.

Liebe Mitfeiernde, Wir glauben zwar, dass Jesus Christus mitten unter uns ist, aber wir wissen auch, dass er auf Menschen angewiesen ist, die helfen, seine Botschaft vom Reich Gottes zu verwirklichen.

Das genau ist für mich die Botschaft von Christi Himmelfahrt. Die Zeit, da Jesus als Mensch unter uns Menschen war, ist vorbei. 

An uns liegt es nun, was aus seiner Hinterlassenschaft wird. Wir tragen die Verantwortung dafür. 

Und das genauso in alltäglichen Zeiten, wie auch in Krisenzeiten, wie der jetzigen, in der immer wieder neue Entscheidungen zu fällen sind und man immer wieder auch besonders auf andere schauen muss, die nicht so gut, durch diese Zeit kommen. 

Und Nein: Wir haben keinen Grund zur Hoffnungslosigkeit oder gar Resignation. Jesus hat uns gleichzeitig mit seiner Himmelfahrt seinen Beistand und seine Hilfe in all dem, was wir tun versprochen. Beide Himmelfahrtstexte, die wir gehört haben sprechen explizit davon:  " … ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;" (Apg 1,8). So heißt es in der Apostelgeschichte. Und das Matthäusevangelium endet sogar mit diesem Satz der Hoffnung und des Zuspruchs an uns alle: „Und siehe,

ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

In dieser Gewissheit, dass Gott mit seinem Geist bei uns ist, können wir uns, wie ich meine, auch im Jahr 2020 als Christen mit der christlichen Botschaft der Nächstenliebe getrost ans Werk wagen.

Amen.