Wie ist das Wasser?

Mit einer tiefgründigen Parabel beginnt der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace eine Rede vor Uni-Absolventen. "Schwimmen 2 jüngere Fische des Weges und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in die Gegenrichtung unterwegs ist. Er nickt ihnen zu und sagt: Morgen, Jungs, wie ist das Wasser? Die 2 jungen Fische schwimmen eine Weile weiter, schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt: Was zum Teufel ist Wasser?"

Im Alltag sind wir manchmal blind für die offensichtlichen Dinge in unsrem Leben. Ich sehe einfach nicht, was da ist und wie reich mein Leben oft ist: Ich kenne Menschen, die ich jederzeit anrufen kann. Ich kann täglich aufstehen. Die Einkaufsregale sind voll und ich habe jeden Tag reichlich zu essen. Ich habe ein Dach über dem Kopf und mir steht eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zur Verfügung. Ich kann die Schönheit der Natur genießen, ohne Angst haben zu müssen, dass Bomben vom Himmel fallen...usw. Mir hilft der Gedanke mit dem Wasser. Mir geht es besser, wenn ich mir jeden Tag die Frage stelle: wie ist das Wasser heute? Ich versuche wahrzunehmen, was ich sonst so oft übersehe. Und bei Dir? Wie ist das Wasser heute?

Pfingstnovene 2020

In den neun Tagen vor Pfingsten betet die Kirche die Novene. Der Name "Novene" kommt vom lateinischen Wort "novem" - neun. Der Ursprung liegt wohl in dem neuntägigen Gebet um den Heiligen Geist, wie es die Apostel und die Jünger Jesu mit Maria nach der Himmelfahrt Jesu im Abendmahlssaal bis zum Pfingstfest praktizierten.
Die Novene vor dem Pfingstfest ist die älteste Gebetsversammlung. Dies ist das Gebet, das der Herr Jesus selbst am Tag der Himmelfahrt empfohlen hat. Die Kirche erinnert uns daran, dass Pfingsten die Erfüllung und das Ende von Ostern ist. Der Heilige Geist - Neues Leben in Christus - war das Ziel und die Erfüllung aller Aktivitäten Christi.
Papst Leo XIII. hat in seiner Enzyklika "Über den Heiligen Geist" - "Divinum illud munus" von 1897 das Gebet der Pfingstnovene zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten allen Pfarreien der gesamten Weltkirche dringend empfohlen. Bis heute wird dieses Gebet gepflegt: in Gemeinschaft oder einzeln.
Wir haben eine Gebetsbroschüre für eine Novene bereitgestellt, die Sie in der St. Peter- und Paul-Kirche, Weil der Stadt und in der St. Leonhard- Kirche, Dätzingen mitnehmen können.



Pfr. Anton Gruber - Predigt 7. Sonntag der Osterzeit A, 24.5.2020 Weil der Stadt

Predigt 7. Sonntag der Osterzeit A, 24.5.2020 Weil der Stadt

Apg + 1 Petr + Ev.

Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser Zeit zwischen Ostern und Pfingsten kann ich mich eigentlich am Anfang meiner Predigt immer nur wiederholen: nämlich deshalb, weil ich es spannend finde, in den Lesungen dieser Zeit quasi mitzuerleben, wie die junge Kirche sich entwickelt, wie sie zuerst sich finden muss und vor allem auch und wie sie mit den Problemen, die sich ihr auftun, fertig wird.

Grundlage dieses historischen Rückblicks ist dabei zuallererst die Apostelgeschichte. Sie alle wissen sicherlich, dass sie das zweite Buch des Evangelisten Lukas ist. Sozusagen der Folgeband seines Erfolgsschlagers, des Lukasevangeliums.

Und da Lukas, wer hätte es anders vermutet, ein glühender Anhänger dieses Jesus ist, hört sich seine Schilderung darin meistens auch ziemlich gut an. So auch heute, wo er zu berichten weiß, dass sich nach der Himmelfahrt Jesu die Apostel und die anderen Jüngerinnen und Jünger zusammen mit Maria zum Gebet in den Abendmahlssaal zurückziehen. So weit so gut. Aber sich die Mühe macht, die Zahl der Apostel einmal nachzuzählen, die er auflistet, erkennt hier schon ein erstes Problem. Es sind eben nur 11 Personen - klar: Judas Iskariot, der Verräter Jesu hatte gleich nach der Verruteilung Jesu den Weg der Selbsttötung vorgezogen und war nicht mehr unter ihnen - sicherlich für die kleine Schar der Jesusanhänger nicht gerade eine tolle Startsituation. 

Der erste Petrusbrief, der uns heute als zweite Lesung angeboten wurde, und der etwas weiter in die Zukunft weist, lässt dazu noch weit tiefer in die Probleme der ersten Christengemeinde schauen.

Ich denke, Sie  haben die Worte imOhr: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen“ (1 Petr 4,14) und wenn jemand „leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen“ (1 Petr 4,16). Man braucht keine große detektivische Gabe, um an diesen Aussagen des Petrus sofort zu erkennen, dass es wohl für die ersten Anhänger Jesu keine Zuckerschlecken war, die Botschaft von seiner Auferstehung Jesu und der damit verbundenen Liebe Gottes zu uns Menschen zu den Menschen zu bringen. Unverständnis, Beschimpfung, Anfeindung gehörte zu der Tagesordnung.

Und es leuchtet ja auch ein, warum dies wohl der Fall war: Mit der Verkündigung dieser Botschaft wurde ein Keil in die Glaubensgemeinschaft der Juden getrieben. Man musste sich entscheiden: Glaube ich daran, oder nicht. Es kommt zur Abspaltung von der bisherigen vertrauten Religion, vieles war nicht mehr kompatibel mit dem alten Glauben und es entsteht eine neue Religion. Ein wenig später wird es in der Apostelgeschichte heißen: Und man nannte sie, die Neuen, Christen. Und das war keineswegs schmeichelhaft gemeint. Eher so im Sinne von „Messianer“, „Messiasspinner“, die die meinten, dass der Messias, der Erlöser - nichts anderes meint der griechische Begriff Christos - schon gekommen wäre. Im Blick der meisten Juden eben eine total lachhafte Vorstellung, da eben mit dem Messias immer eine sichtbare auch politische Erlösung und Rettung gedacht worden war. Und das wissen wir alle, das geschah mit Jesus eben nicht - auch nicht durch seine Auferstehung.

Liebe Mitchristen,

warum erzähle ich das so genau?

Nun, es ist tatsächlich so, dass der Blick auf die Anfänge einer Organisation oder Bewegung immer wieder im Sinne einer Selbstvergewisserung nötig. Es ist hilfreich, immer wieder auf die Gründungszeit und ihre Absichten zu schauen, um für die Gegenwart Orientierung zu haben, um nicht eine völlig falsche Richtung für die Zukunft einzuschlagen.

Wir alle sind wohl noch gewöhnt, in einer positiv besetzten christlichen Kultur zu leben. In der Vergangenheit hatten sich die Kirchen über Jahrhunderte, ja sogar über ein Jahrtausend lang es sich sehr gut mit dem Staat eingerichtet. Könige und Kaiser wurden von Päpsten und kirchlichen Oberhäuptern gekrönt und der Staat sorgte dafür, dass die Kirche blühen und gedeihen konnte. Für geschichtlich Interessierte nur in Klammern gesagt: Die sogenannte Konstantinische Wende unter dem römischen Kaiser Konstantin I am Anfang des 4. Jahrhunderts brachte dieses System zum Vorschein, das dann unter Kaiser Theodosius im Jahr 380 zu Blüte gelangte: das Christentum als alleinige Staatsreligion: damit wurde dies dann auch zur Geburtsstunde des christlichen Abendlandes.

Nun, liebe Schwestern und Brüder, 

wir alle merken sicherlich schon seit längerem, dass dieses System, des Miteinanders von Kirche und Staat ins Wanken gekommen ist.

Die Zeit der Aufklärung ist hier das Stichwort, das zu nennen ist. Es geht um die Entdeckung der Emanzipation des einzelnen von Autoritäten und auch vom sozialen Druck der Gesellschaft. Der Individualismus wurde geboren und beinahe zum neuen Allein-Prinzip erhoben. Zunächst einmal muss dies nicht Schlimmes sein, und ich bin mir sicher, dass auch jeder von uns selbst davon betroffen ist.

Die Frage stellt sich nur, wie stark und mit welchen Konsequenzen.

Nehmen Sie zum Beispiel die Menschen verweisen, welche auf dem Stuttgarter Wasen gegen die die Coronaauflagen demonstrieren. Es ist unglaublich, welch kunterbunter Pool von völlig unterschiedlichen Gründen sie nennen, um zu gehen. 

Aber so extrem braucht es gar nicht zu sein. Die Auswirkungen davon sehen wir tagtäglich an vielen Dingen.  Sie können beinahe jeden beliebigen Bereich unserer Gesellschaft nehmen, in dem vermeintlich allgemeingültige Konsense durch individuelle Vorlieben abgelöst wurden. Das reicht vom unterschiedlichen Musikgeschmack der Jugendlichen, von denen Sie kaum noch zwei Personen finden, die dieselben Lieder auf ihren Playlist haben, über Modestile einzelne Personen die weit auseinandergehen bis hin zu den politischen Parteien, welche sich immer mehr aufspalten und ausdifferenzieren. 

Und natürlich macht dieser Trend auch vor Kirche nicht Halt. War es vor 60 oder gar 100 Jahren so, dass sich jemand rechtfertigen musste, nicht in die Kirche zu gehen oder gar nicht zu ihr zu gehören, hat sich das in der Zwischenzeit schon beinahe umgedreht. Wir Gläubige müssen uns rechtfertigen, warum uns unser Glaube wichtig ist und vor allem, warum wir noch zur Kirche halten.

Und der Verweis auf die durch nichts zu rechtfertigenden abscheulichen Missbrauchsskandale der katholischen Kirche tut da noch das seinige und verstärkt diesen ganzen Prozess der Selbstemanzipation des einzelnen in Sachen Religion.

Und, hier, liebe Schwestern und Brüder, bin ich dann wieder beim Blick auf die Texte der Lesung angelangt und da besonders beim ersten Petrusbrief. Ich denke, hier können wir seine auch für uns mitten in unsere Situation am Anfang des 21. Jahrhunderts hören: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen“ (1 Petr 4,14) und wenn jemand „leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen“ (1 Petr 4,16).

Und nein, hier geht es nicht um einen sentimentalen Blick zurück, hier geht es auch nicht darum, sich nach einer Zeit zu sehnen, in denen Kirche die Meinungsführerschaft im Staat hatte.

Es geht hier um etwas anderes:

Es geht hier im Blick auf die Männer und Frauen der ersten Stunde darum, zu sehen, dass diese Menschen von der Sache Jesu, von seiner Botschaft der Nächstenliebe und von seiner Bestätigung durch die Auferstehung  überzeugt waren. Sie taten dies nicht aus Gewohnheit oder weil es opportun erschien. Nein sie fanden für sich darin ihren Lebensinhalt.

Und das ist die Erkenntnis, die auch für uns in unserer Zeit die Aufgabe und das Ziel sein muss. Es geht nicht darum, liebgewordene Privilegien zu verteidigen. Und es geht auch nicht darum Dinge schönzureden, welche so nie passieren hätten dürfen.  Aber es geht darum, die eigentliche Botschaft Jesu wieder zu hören. es geht darum, für sie einzutreten und ihr Gehör zu verschaffen. Vielleicht oder vielleicht sogar wahrscheinlich in einer ganz neuen Art und Weise, die noch keiner von uns kennt.

Was dabei aber klar ist. Und auch das zeigt uns der Blick zurück: Für die Verbreitung dieser Botschaft braucht es überzeugt Menschen; dazu braucht es Ermutigung, auch in schwierigen Situationen durchzuhalten und dazu braucht es das Wissen, dass Gott mit seinem Geist dazu bei uns ist.

Wie heißt es im Petrusbrief? „Denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch“.

Und Sie haben sicher auch noch die Worte Jesu im Ohr:

„Für sie bitte ich;

nicht für die Welt bitte ich,

sondern für alle, die du mir gegeben hast;

denn sie gehören dir.“ (Joh 17,9)

Gott ist bei uns.

Amen.



Pfr. Anton Gruber - Predigt zum Fest Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020, Weil der Stadt

Liebe Schwestern und Brüder,

Als Lesung und Evangelium des heutigen Tages haben wir gerade zwei Texte gehört, die ganz markante Stellungen in der Bibel einnehmen. Der Text des heutigen Evangeliums bildet den Schluss des Matthäusevangeliums und der Text der Lesung steht am Beginn der Apostelgeschichte. Schon allein diese äußerliche Tatsache kann uns ein Hinweis sein, dass Christi Himmelfahrt ein Fest mit einer markanten Bedeutung ist.

Doch was ist das Wichtige an diesem Ereignis der Himmelfahrt Jesu?

Stellen Sie sich die Situation der Jünger am Himmelfahrtstag damals in Jerusalem vor: 

40 Tage ist es nun her seit der Auferstehung Jesu. Das menschliche Wirken Jesu auf der Erde ist zu Ende. Und jetzt wird er zur Rechten seines Vaters erhöht. Damit ist ein wesentliches Kapitel der Geschichte geschrieben. Nun kommt wird ein neues aufgeschlagen. 

Für die Jünger stellt sich die Frage: Was nun? Jesus, der Herr und Meister, der bisher in allem die Marschroute angab, ist nicht mehr unter ihnen. Wie soll es also weitergehen? Und vor allem, die wichtigste Frage von allen: Geht es überhaupt weiter?

Zunächst herrscht eine große Ratlosigkeit unter den Jüngern. Was sollen sie nur tun? Sie haben es symbolhaft gehört: Hilflos schauen sie Jesus nach.

Es braucht den Rat von zwei Männern in weißen Gewändern, die sie auf den Erdboden der Realität zurückholen und sie auf das Erforderliche verweisen: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" (Apg 1,11).

Nicht im Himmel, nicht in irgendwelchen Träumen von einem messianischen Reich, das  irgendwann einmal kommen wird, liegt ihre Zukunft, sondern ganz handfest auf der Erde. 

Auf die Jünger warten wichtige Aufgaben, die Jesus ihnen bei seinem Abschied angekündigt hatte: 

Haben Sie die Worte aus der Apostelgeschichte noch im Ohr? " ihr werdet Kraft empfangen,

wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein

in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde." (Apg 1,8).

Jetzt heißt es nicht mehr, nur als Jünger dem Meister hinterherzulaufen, jetzt gilt es, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen nun selbst die Initiative ergreifen und aktiv werden. An ihnen liegt es nun, der Botschaft Jesu Verbreitung zu verschaffen. Sie müssen für Jesus, der nicht mehr unter ihnen ist, in die Bresche springen.

Das Matthäus-Evangelium spricht dabei eine deutliche Sprache mit dem, was es Jesus als letzte Worte in den Mund legt: 

„… geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.

Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,19f).

Eine neue Ära bricht an, eine Ära, in der die Last für die Verbreitung des Glaubens auf den Schultern der wenigen treuen Anhänger des Jesus liegt.

Und, liebe Schwestern und Brüder, die Jünger machen sich an die Arbeit.

Wenn ich heute aus beinahe zweitausend Jahren Entfernung auf diesen bescheidenen Anfang schaue, kann ich nur voller Bewunderung staunen. Was ist nicht aus dem kleinen Haufen, aus dieser Handvoll Männer und Frauen in Jerusalem geworden, die die erste Gemeinde Jesu gebildet haben? Was haben diese einfachen Menschen, meist Fischer vom See Gennesaret, nicht Großartiges geleistet und gewirkt, damit daraus eine weltumspannende Kirche werden konnte, die bis auf den heutigen Tag existiert?

Ich frage mich oft, wie sehr diese ersten Christen von der Botschaft und der Person Jesu begeistert gewesen sein mussten, dass sie all die Strapazen und Mühen auf sich genommen haben, um ihre Erfahrung und ihren Glauben an die Menschen in allen Himmelsrichtungen weiterzugeben.

Und es geht ja noch weiter: Bis heute ist die Kirche damit beschäftigt, den Auftrag Jesu zu erfüllen und die Frohe Botschaft des Christentums in alle Welt hinaus zu tragen. 

Liebe Mitchristen, beim Blick zurück zeigt es sich, dass es in der Vergangenheit immer wieder galt, sich neuen Herausforderungen einer veränderten Zeit zu stellen. Und, ich glaube, Sie stimmen mir zu: es scheint, als ob unserer Generation wieder eine neue Aufgabe aufgetragen wäre. Unser vordringliches Problem dürfte es wohl nicht mehr zu sein, die christliche Botschaft in neue Regionen in Afrika, Südamerika, Asien oder Ozeanien zu verbreiten und dort zu missionieren. (In den sogenannten Jungen Kirchen der Dritten Welt gibt es viele Aufbrüche. Die Kirche dort lebt.)

Es ist vielmehr so, dass wir hier in Europa aufpassen müssen, dass wir mit unserer christlichen Botschaft nicht stillschweigend aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden. Das Wort von der Notwendigkeit der Neuevangelisierung Europas macht schon seit einiger Zeit die Runde.

Noch zehrt unsere Kultur in vielem von den christlichen Werten, die uns von unseren Vorfahren überliefert wurden und für die sie eingetreten sind. Werte wie die Achtung des Lebens, die Menschenwürde, die Nächstenliebe, die Feindesliebe wären auf der Strecke geblieben, wenn nicht das Christentum ausdrücklich den anderen, den Mitmenschen, im Blick gehabt hätte, der als Geschöpf Gottes ebenso das Recht hat zu leben, wie ich selber. Das christliche Menschenbild ist es letztendlich, das uns davon abhält, rücksichtslos nur auf sich selbst und den eigenen Vorteil zu schauen.

Liebe Schwestern und Brüder,

An uns liegt es, die Werte der Mitmenschlichkeit in unserer Zeit zu leben und zu verteidigen.

Dabei müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass es nicht darum gehen kann, uns nur ein Deckmäntelchen der Humanität umzuhängen, das nur so weit reicht, als es dem eigenen Geldbeutel nicht schadet. 

Christentum heißt manchmal auch, auf einen eigenen Vorteil zu verzichten und sich selbst zurückzunehmen, um des Wohles eines anderen willen. 

Ein Jünger und Zeuge Jesu zu sein ist keine leichte Aufgabe. Dazu bedarf es des bewussten Engagements, wie es uns seit der Zeit der Apostel unzählig viele Christen vorgemacht haben. 

Ich muss immer wieder an meine Zeit als Vikar in Heidenheim denken. Dort in der Marienkirche hängt ein Kreuz gesehen, dessen Leib keine Arme hat.

Der eine oberflächliche Grund ist, dass dieser Gekreuzigte aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammt und von ihm nur noch der Korpus existiert und man die Hände nicht einfach nachschnitzen wollte. Der wichtigere inhaltliche Grund aber ist eine Botschaft, die damit ausgedrückt werden soll. In unserer Zeit hat Jesus keine anderen Hände als unsere Hände.

Liebe Mitfeiernde, Wir glauben zwar, dass Jesus Christus mitten unter uns ist, aber wir wissen auch, dass er auf Menschen angewiesen ist, die helfen, seine Botschaft vom Reich Gottes zu verwirklichen.

Das genau ist für mich die Botschaft von Christi Himmelfahrt. Die Zeit, da Jesus als Mensch unter uns Menschen war, ist vorbei. 

An uns liegt es nun, was aus seiner Hinterlassenschaft wird. Wir tragen die Verantwortung dafür. 

Und das genauso in alltäglichen Zeiten, wie auch in Krisenzeiten, wie der jetzigen, in der immer wieder neue Entscheidungen zu fällen sind und man immer wieder auch besonders auf andere schauen muss, die nicht so gut, durch diese Zeit kommen. 

Und Nein: Wir haben keinen Grund zur Hoffnungslosigkeit oder gar Resignation. Jesus hat uns gleichzeitig mit seiner Himmelfahrt seinen Beistand und seine Hilfe in all dem, was wir tun versprochen. Beide Himmelfahrtstexte, die wir gehört haben sprechen explizit davon:  " … ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;" (Apg 1,8). So heißt es in der Apostelgeschichte. Und das Matthäusevangelium endet sogar mit diesem Satz der Hoffnung und des Zuspruchs an uns alle: „Und siehe,

ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

In dieser Gewissheit, dass Gott mit seinem Geist bei uns ist, können wir uns, wie ich meine, auch im Jahr 2020 als Christen mit der christlichen Botschaft der Nächstenliebe getrost ans Werk wagen.

Amen.




Bildstock Krautgärten - Gedanken zum Marienmonat Mai

Mutig vorwärts!

Dankbar rückwärts!

Gläubig aufwärts!

 

Christine Weigel

Der etwas andere Gottesdienst

Einsame anrufen ist Gottesdienst

Hilfe anbieten ist Gottesdienst

Einkaufen für Ältere ist Gottesdienst

Anlächeln ist Gottesdienst

Zuhören ist Gottesdienst

Nächstenliebe ist Gottesdienst

Eine Kerze anzünden ist Gottesdienst

Für andere Menschen beten ist Gottesdienst

Litanei in Zeiten von Corona

Gott,

sei uns nahe in diesen schweren Wochen.

Sei nahe denen, die dich besonders brauchen.

In die unermüdlich schaffenden Hände - leg deine Kraft.

In unruhige und aufgewühlte Herzen - deine Ruhe.

In unsre Ängstlichkeit - deine Hoffnung.

In Einsamkeiten - deine bergende Nähe.

In unser Tasten und Suchen - deine Kreativität.

Ins Brückenbauen zueinander - deine Regenbogen-Statik.

In unsere Unruhe - deine Stille.

In kranke Lungen - deine Heilung.

In verzweifelte Herzen - deinen Trost.

In gefährdete Immunsysteme - deinen Schutz.

In unseren kleingläubigen Geist - leg deine Zusage:

Ich bin da.

Amen.

Annette Gawaz

Impulse für die Jugend

Unsere Jugendreferentin meldet sich immer wieder mit Gedanken, Impulsen, Vorschlägen zu Wort.

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